Die Oberstufenreform verspricht Wahlfreiheit – tatsächlich wird das Abitur abhängig von Wohnort und Zufall
Hannover. „Die Oberstufenreform verspricht Wahlfreiheit – tatsächlich wird in Niedersachsen das Abitur abhängig von Wohnort und Zufall.“ Mit diesen Worten kritisiert die CDU-Landtagsabgeordnete Sophie Ramdor die Pläne der Landesregierung zur Reform der gymnasialen Oberstufe.
Das Abitur sei der höchste Schulabschluss in Deutschland und stehe für Leistungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und wissenschaftliches Arbeiten. „Die Allgemeine Hochschulreife bescheinigt analytisches Denken und selbstständiges Lernen – genau diese Fähigkeiten dürfen wir nicht schwächen.“
Besonders kritisch sieht Ramdor das Versprechen größerer Wahlfreiheit. „Wahlfreiheit funktioniert nur, wenn genügend Lehrkräfte und Unterrichtsstunden vorhanden sind. Fehlen diese, entscheidet nicht die Begabung der Schülerinnen und Schüler, sondern der Standort der Schule oder die Größe des Jahrgangs.“
Gerade kleinere oder ländliche Gymnasien könnten viele Kurse künftig nicht mehr anbieten. „Die versprochene Individualität wird zur Mehrheitsentscheidung. Das Abitur droht zur standortabhängigen Zufallsentscheidung zu werden.“
Auch bei der Facharbeit sieht Ramdor einen Rückschritt. „Gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz müssen wir Schülerinnen und Schüler stärker dazu befähigen, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten.“
Zudem kritisiert die CDU-Abgeordnete, dass Politik-Wirtschaft künftig abgewählt werden könne und auch Fremdsprachenangebote gefährdet seien – besonders an kleineren Gymnasien.
Mehr als 10.000 Bürgerinnen und Bürger sowie zahlreiche Lehrkräfte hätten bereits Kritik an der Reform geäußert. Ramdor fordert daher eine gründliche Beratung im Ausschuss: „Unser Ziel ist echte Wahlfreiheit für alle Schülerinnen und Schüler – nicht ein System, bei dem Chancen vom Wohnort abhängen.“
